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Vitra

Land
Schweiz
Typ
Körperschaft
Funktionen
Produzent
Biografie
1934 übernahm Firmengründer Willi Fehlbaum die 1906 in Basel, Schweiz, gegründete Ladenbaufirma Graeter, die er zusammen mit seiner Frau Erika Fehlbaum betrieb. 1950 gründeten sie unter dem Namen Vitra ein Tochterunternehmen in Weil am Rhein, Deutschland. 1953 wurde die Vitra AG in der Schweiz gegründet, deren Geschäftszweck die Herstellung von Kleinmöbeln und Haushaltsgeräten war. Im selben Jahr entdeckte Willi Fehlbaum während einer USA-Reise die Möbel von Charles und Ray Eames und bewarb sich bei der amerikanischen Firma Herman Miller um die Herstellungsrechte der Eames-Möbel für den europäischen Markt. 1957 erhielt Fehlbaum die Lizenz und begann noch im selben Jahr mit der Fertigung der Herman Miller Collection, zu der neben den Eames-Möbeln auch Entwürfe von George Nelson gehörten. In den Folgejahren wurden die Möbel unter verschiedenen Firmierungen vertrieben: in der Schweiz zunächst durch die Contura S.A., später durch die in Basel ansässige Herman Miller AG, in Deutschland durch die Fehlbaum GmbH. Seit 1983 erfolgt der Vertrieb ausschließlich unter dem Namen Vitra. Schon in den späten 1960er Jahren begann Vitra auch mit dem Aufbau eines eigenen Möbelsortiments. So wurde etwa 1967, nach mehrjähriger Entwicklungsarbeit, die Produktion eines hinterbeinlosen Kunststoffstuhls von Verner Panton aufgenommen, bekannt als Panton Chair. 1976 kam mit dem Vitramat nach einem Entwurf von Wolfgang Deisig der erste Bürostuhl des Unternehmens auf den Markt. Für die weiterhin parallel laufende Produktion von Ladeneinrichtungen war schon in den 1950er Jahren in Weil am Rhein eine Produktionsstätte errichtet worden. Der Geschäftssitz des Unternehmens Vitra befindet sich jedoch bis auf den heutigen Tag in der Schweiz, zunächst in Basel, mittlerweile in Birsfelden. 1977 übertrugen Willi und Erika Fehlbaum die Firmenleitung ihren Söhnen: Rolf Fehlbaum übernahm den Bereich der Möbelproduktion, der unter dem Namen Vitra zusammengefasst wurde, Raymond Fehlbaum die Sparte für Ladeneinrichtungen unter dem Namen Vitrashop. Nach einem 1981 durch Blitzeinschlag ausgelösten Großbrand, der die Produktionsstätten in Weil am Rhein zum großen Teil zerstörte, wurden in kürzester Zeit neue Fabrikhallen nach Entwürfen von Nicholas Grimshaw errichtet. In den Folgejahren beauftragte Rolf Fehlbaum weitere bedeutende Architekten mit Bauten auf dem Vitra Campus. Das Wachstum von Vitra setzte sich in den 1980er Jahren fort, wobei der Schwerpunkt auf Büromöbeln lag. Wichtige Entwürfe kamen dabei von Mario Bellini (ab 1984), Antonio Citterio (ab 1985), Alberto Meda (ab 1996) und Jasper Morrison (ab 1989). Daneben entstand 1987 die erste Vitra Edition mit experimentellen Entwürfen, unter anderem von Ron Arad, Frank Gehry, Shiro Kuramata, Jasper Morrison und Ettore Sottsass. Ab den 2000er Jahren arbeitete Vitra auch eng mit Ronan und Erwan Bouroullec, Konstantin Grcic und Hella Jongerius zusammen. Als Ergänzung zum Office-Bereich wurde 2004 die Geschäftseinheit Vitra Home etabliert. Die Vitra Home Collection umfasst Entwürfe zeitgenössischer Designer, aber auch Produkte bedeutender Designer des 20. Jahrhunderts, etwa von Jean Prouvé, Alexander Girard, Hans Coray und anderen. 2010 wurde auf dem Vitra-Campus das von Herzog & de Meuron entworfene VitraHaus als Flagship-Store der Vitra Home Collection eröffnet. 2013 übernahm Vitra die Eigentümerschaft am finnischen Möbelhersteller Artek. 2014 ging die Leitung der Vitra-Firmengruppe an Nora Fehlbaum über, zunächst zusammen mit Gilbert Achermann als Co-CEO. Neben seinen Produkten ist Vitra auch für innovative Unternehmenskultur und -kommunikation bekannt. So gilt der Vitra Campus, dessen Erscheinungsbild die auf Diversität basierende Unternehmensphilosophie widerspiegelt, heute als weltweit einzigartiges Ensemble von Bauten zeitgenössischer Architekten, darunter Tadao Andō, Zaha Hadid, Renzo Piano, Álvaro Siza und SANAA. Dieser Ansatz zeigt sich auch in der wechselnden Kooperation mit Grafikern und Fotografen, darunter Christian Coigny, Pierre Mendell, Tibor Kalman, Irma Boom, Cornel Windlin und Florian Böhm. 1989 wurde das Vitra Design Museum gegründet, das sich als unabhängiges Museum mit internationalen Aktivitäten entwickelte. Ein von Frank Gehry entworfenes Gebäude dient seither der Präsentation von Wechselausstellungen. 2016 eröffnete das Vitra Schaudepot von Herzog & de Meuron, in dem Schlüsselobjekte aus der Sammlung des Museums gezeigt werden. Brandes, Uta (Hg.): Rolf Fehlbaum, Vitra. Vom Umgang mit Design, Gegenwart und Ökonomie, Industrie Forum Design Hannover, Steidl Verlag, Göttingen 1991. Kalman, Tibor: Chairman Rolf Fehlbaum, Lars Müller Publishers, Baden 1997. Kries, Mateo (Hg.): Der Vitra Campus. Architektur, Design, Industrie, Vitra Design Museum, Weil am Rhein 2013. Windlin, Cornel / Fehlbaum, Rolf (Hg.): Projekt Vitra. Orte, Produkte, Autoren, Museum, Sammlungen, Zeichen; Chronik, Glossar, Birkhäuser Verlag, Basel u. a. 2008.