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Ateliers Jean Prouvé

Land
Frankreich
Typ
Körperschaft
Funktionen
Produzent
Biografie
Jean Prouvé, aufgewachsen in einer Künstlerfamilie, richtete 1923 in Nancy, Frankreich, eine Kunstschmiede ein, die er zunächst mit wenigen Angestellten betrieb. 1925 lernte er in Paris Le Corbusier und Robert Mallet-Stevens kennen. Der Einsatz moderner Maschinen ermöglichte es ihm, in seiner Werkstatt neben kunsthandwerklichen Objekten auch Blech-Bauteile für Gebäude herzustellen. Aus Kontakten zu den Vertretern der Moderne ergaben sich umfangreiche Aufträge für Tür- und Fensterrahmen, Glasfassaden, Treppen und bewegliche Metallwände; auch einige Möbel stellte Prouvé zu dieser Zeit bereits her. 1930 firmierte Prouvé als constructeur. Prinzipien der Abkantung von Metall nutzte er in der Architektur wie im Möbelbau, um mit geringem Materialaufwand große Tragfähigkeit zu erreichen. 1931 gründete er in Nancy die Firma Ateliers Jean Prouvé, die mit der Möblierung des neuen Studentenwohnheims der Université de Nancy einen ersten Großauftrag erhielt. 1933 richtete Prouvé in seiner Firma eine eigene Abteilung für Forschung und Planung ein. Um seinem Ziel der seriellen Massenproduktion von Bauteilen näher zu kommen, investierte er im Laufe der 1930er Jahre mehrfach große Summen in den Maschinenpark, was trotz steigender Umsätze zu einer prekären Finanzlage des Unternehmens führte. 1938 wurde eine Abteilung zur Entwicklung von Möbeln eingerichtet, hauptsächlich um Schulen und Büros auszustatten. Kurz darauf begannen die Ateliers Jean Prouvé mit Pierre Jeanneret zusammenzuarbeiten, wobei zunächst Tragkonstruktionen für provisorische Schulen und Unterkünfte entstanden. Während des Zweiten Weltkriegs befasste sich die Firma vorwiegend mit dem Entwurf von Möbeln. Da Metall zu dieser Zeit kaum zur Verfügung stand, nutzte Prouvé als Werkstoff Holz und kooperierte mit der Firma Vauconsant. Nach dem Krieg konzentrierte sich das Planungsbüro auf die Herstellung demontierbarer Notbehausungen. Gleichzeitig hatte der Möbelsektor maßgeblichen Anteil am Gesamtumsatz. 1947 zog das Unternehmen nach Maxéville, einem Vorort von Nancy, wo die serielle Herstellung von Gebäudeelementen aus Metall vorangetrieben wurde. Ab 1949 arbeitete Jean Prouvé beim Vertrieb seiner Möbel mit Steph Simon zusammen, über den die Möbel bestellt werden konnte. Bei Ausstellungen wie dem Salon des arts ménagers wurden die Entwürfe der Ateliers Prouvé gezeigt. 1949 intensivierte sich die Zusammenarbeit mit L’Aluminium Français, einem Unternehmen, das sich finanziell stark an den Ateliers Jean Prouvé beteiligte und damit zusehends an Einfluss gewann. 1953 sah sich Jean Prouvé in seinem Handlungsspielraum so stark eingeschränkt, dass er den Posten als Generaldirektor sowie den Vorsitz des Aufsichtsrats abgab und sein Unternehmen verließ. Die Entwicklung eigener Konstruktionen direkt an der Maschine war für ihn nicht mehr möglich. Nach seinem Rückzug wechselte die Firma mehrfach Namen und Besitzer. Die Möbel, die Jean Prouvé in der Nachkriegszeit entwickelt hatte – zum Teil mit Charlotte Perriand –, wurden von 1956 bis 1974 exklusiv in der von Steph Simon gegründeten Galerie in Paris vertrieben. Stoullig, Claire / Coley, Catherine: Jean Prouvé, Ausst.-Kat. Musée de l’École de Nancy u. a., Paris 2012. Tropeano, Ruggero / Remmele, Mathias: Jean Prouvé – Charles & Ray Eames. Two Great Constructors – Parallels and Differences, Vitra, Weil am Rhein 2002. von Vegesack, Alexander (Hg.): Jean Prouvé. Die Poetik des technischen Objekts, Ausst.-Kat. Vitra Design Museum, Weil am Rhein 2005.