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Lockheed Lounge

Marc Newson
Der Australier Marc Newson ist einer der einflussreichsten Designer der letzten Jahrzehnte und wurde durch die Lockheed Lounge international bekannt. Mit ihrem Entwurf begann er 1985/86 auf Einladung der einflussreichen Kunstgalerie Roslyn Oxley9. Newson musste „mit möglichst preiswerten Materialien“ arbeiten und war in den Herstellungsmöglichkeiten beschränkt. Er entschied sich, den Korpus der Lockheed Lounge gänzlich handwerklich „genauso herzustellen wie ein Surfbrett“. In einem ersten Schritt schnitzte Newson den inneren Kern der Lounge ohne Vorlage aus einem Block Polyurethanschaum. Er bedeckte diesen danach mit glasfaserverstärktem Polyesterkunstharz und ummantelte mit einer äußere Schale aus gehämmertem und genietetem Aluminium. Nach der erfolgreichen Präsentation des Entwurfs 1986 unter der Bezeichnung LC1 – als Referenz an Le Corbusiers Liege LC 4 – ließ Newson 1988 eine limitierte Kleinserie von zehn Exemplaren und vier Artist Proofs in Sydney herstellen, für die er die Rückenlehne leicht veränderte. Zu dieser finalen Version der Lockheed Lounge zählt auch das hier gezeigte Exemplar. In den 1990er Jahren wurde die Lockheed Lounge in der Presse zelebriert und gewann prominente Fans. Ihren Status als Designikone verdankt sie jedoch ihren zahlreichen, gleichermaßen subtilen wie plakativen Referenzen. So erinnert gerade die erste Version des Liegesofas an Jacques-Louis Davids neoklassizistisches Porträt Madame Récamier von 1800. Die dynamische Form verweist wiederum auf Science-Fiction-Visionen der 1970er Jahre, nimmt aber zugleich die biomorphen „Blob“-Formen der 1990er Jahre vorweg, die in Architektur und Design durch neue, computergesteuerte Entwurfsprozesse möglich wurden. Die vernieteten Aluminiumbleche zeugen von Newsons Faszination für die Luftfahrt und inspirierten ihn zu dem Namen Lockheed, in Anspielung auf den bekannten Flugzeughersteller. Diese eklektischen Bezüge sind typisch für eine neue Generation von Designern, die ab den 1980er Jahren mit anspielungsreichen Möbelskulpturen auf sich aufmerksam machten – ähnlich wie Ron Arad oder Shiro Kuramata. Zugleich kündigte der Erfolg der Lockheed Lounge eine Designtendenz an, die seit den frühen 2000er Jahren als Collectible Design oder Design Art bezeichnet wird: Wiederholt brach die Liege ihre eigenen Rekorde als das teuerste jemals verkaufte Objekt eines lebenden Designers. Text: Viviane Stappmanns
Titel
Lockheed Lounge
Designer
Entwurf
1985/86, 1988
Herstellung
1988
Hersteller
Material / Technik
glasfaserverstärkter Polyester / Aluminiumblech, genietet / gummibeschichtetes Polyesterharz
Maße
88,5 x 167,5 x 64,0 cm
Inventarnummer
MAU-1001
Kategorie
Schlagwörter
Creditline
Vitra Design Museum