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ohne Titel / Chaise de Garde
Jean-Joseph Chapuis
Der Entwurf der Chaise de Garde fällt in die Zeit der Herrschaft Napoleon Bonapartes. Die Werte der Aufklärung und die Orientierung an der klassischen Antike begleiteten den damaligen gesellschaftlichen Wandel in Europa und beeinflussten auch die Gestaltung des Wohnbereichs aristokratischer und großbürgerlicher Kreise.
Napoleon ließ ab 1805 das Schloss Laeken bei Brüssel im neuesten Zeitgeschmack ausstatten. Hierfür bestellte er auch mehrere Exemplare des neuartigen Armlehnstuhls des belgischen Hoftischlers Jean-Joseph Chapuis, der die Form des antiken Stuhltypus "sella curulis" (kurulischer Stuhl) stilistisch modifizierte. Bei dem ab ca. 1803 und bis ca. 1810 stetig weiterentwickelten Modell drehte er, im Vergleich zur klassischen "sella curulis", den Beinsegmentbogen um 90 Grad und positionierte ihn parallel zum Verlauf der Armlehnen an die Seite.
Indem Chapuis die meisten Einzelteile des Armlehnstuhls in der technisch revolutionären und durch ihn seit ca. 1803 fortlaufend perfektionierten Schichtverleimung ausführte, gelangen ihm bedeutende Innovationen: eine starke Reduktion der Materialquerschnitte, wodurch die Stühle leicht und elegant wurden. Zudem können die schichtverleimten Teile nicht brechen, da sie aus Furnierbündeln bestehen, die sich, in zwei- und dreidimensionalen Schablonen verleimt, gegenseitig stabilisieren.
Die formalen wie materialtechnischen Neuerungen machen die Chaise de Garde zu einem der innovativsten Möbel des 19. Jahrhunderts.
Text: Sebastian Jacobi
Titel
ohne Titel / Chaise de Garde
Designer
Entwurf
ca. 1802
Herstellung
zwischen ca. 1806 und 1808
Hersteller
Material / Technik
Rüster, schichtverleimt gebogen, Obstholz massiv und Buche massiv, weiß und gold gefasst / Bronze, vergoldet / Rohrgeflecht
Maße
90,6 x 55,5 x 53,2 cm
Inventarnummer
MBG-1052
Kategorie
Schlagwörter
Creditline
Vitra Design Museum



