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Plywood Chair

Jasper Morrison
Im Jahr 1988 nahm der junge britische Designer Jasper Morrison an der „Designwerkstatt Berlin“ teil, einem Projekt im Rahmen des Programms von Berlin als Kulturstadt Europas. Als Ergebnis seines dreimonatigen Arbeitsaufenthaltes in der Stadt präsentierte Morrison die Ausstellungsinstallation "Some New Items for the Home, Part I" in der DAAD-Galerie. Morrison zeigte hier einen spartanisch eingerichteten Raum mit nur wenigen, betont einfachen Objekten – im Wesentlichen ein Tisch, drei Stühle und drei grüne Glasflaschen. Boden und Wände waren aus Sperrholzplatten gezimmert, und auch die Möbel waren, mit Ausnahme der Tischbeine, aus diesem Material gefertigt. Es mag aus heutiger Perspektive verwundern, weshalb diese kleine, bescheidene Ausstellung in der Designwelt so viel Aufmerksamkeit erregte. Doch vor dem Hintergrund der formalen Spielereien der Postmoderne, die in den 1980er Jahren immer exaltierter wurden und von einem immer krampfhafteren Bemühen um Originalität gekennzeichnet waren, wirkte Morrisons Präsentation in ihrer demonstrativen Schlichtheit und Zurückhaltung erfrischend anders. Morrisons Berliner Installation wurde als anti-postmodernes Manifest gelesen, das zugleich den Beginn einer „Neuen Einfachheit“ markierte. Über das schlichte Aussehen des Plywood Chair sagte Morrison später:„Der Plywood Chair sieht vor allem deshalb so aus, wie er aussieht, weil ich ihn selbst machen musste und die einzige Ausrüstung, die ich hatte, eine elektrische Stichsäge und ein paar Kurvenschablonen waren.“ Doch der simplen Form des Plywood Chair liegt eine durchaus aufwändige Konstruktion zugrunde. So verlaufen unter der von einem dünnen Sperrholz gebildeten Sitzfläche zwei sich kreuzende Kanthölzer, in die eine konkave Wölbung gesägt wurde. Bei Belastung biegt sich die Sperrholzfläche zunächst leicht durch, bis die Kanthölzer die Kräfte aufnehmen und das Brechen des Materials verhindern. Auf diese Weise entsteht ein Polsterungseffekt, der, wie Morrison es formulierte, „für andere, weniger komfortable Eigenschaften“ des Stuhles entschädigt – etwa für die in der Tat nicht sonderlich bequeme Rückenlehne. Für die Berliner Ausstellung fertigte Morrison – unter Mithilfe von Axel Kufus – zunächst drei Stühle, einen ohne und zwei mit geschlossener Lehne. Ein Jahr nach der Berliner Ausstellung begann Vitra mit der Serienproduktion beider Varianten, wobei Morrison zu der Version mit geschlossener Lehne anmerkte: „Komfortabler, aber weniger aufregend.“ Text: Mathias Remmele
Titel
Plywood Chair
Designer
Entwurf
1988
Herstellung
1992
Hersteller
Material / Technik
Sperrholz mit Deckfurnier in Birke
Maße
84,5 x 39,5 x 47,0 cm
Inventarnummer
MGB-1004-2
Kategorie
Schlagwörter
Creditline
Vitra Design Museum