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Schaukel-Fauteuil Nr. 1

Anonym (Firmenentwurf) / Anonymous (in-house design)
Die Gebrüder Thonet nahmen 1862 an der zweiten Londoner Weltausstellung teil und präsentierten neben Stühlen, Armsesseln, Kanapees und Tischen auch ihren ersten Schaukel-Fauteuil. Das Modell war seiner Erscheinung und Funktion nach ein Einrichtungsgegenstand für den bürgerlichen Wohnraum, was von der Strategie der Firma zeugt, neue Käuferschichten für ihre Bugholzmöbel anzusprechen. Das Modell verfügt über eine Sitzfläche und eine Rückenlehne aus Rohrgeflecht, die von zwei seitlich angesetzten Kufen aus jeweils fünf massiv gebogenen Buchenholzstäben getragen werden. Eine solche Gestaltungsweise konnte erst zu einem Zeitpunkt entwickelt werden, als die Technik des Massivbiegens bereits voll ausgereift war. Auf dem Thonet-Katalogblatt von 1866 ist das Modell als Schaukel-Fauteuil Nr. 1 zu finden und gehörte damit bereits zu den Serienmodellen des Unternehmens. Anregungsquelle für die Form des Modells dürfte ein Metallschaukelstuhl des Birminghamer Herstellers R. W. Winfield gewesen sein, der bei der Weltausstellung 1851 in London zu sehen war. Während nun auch J. & J. Kohn, die ersten ernsthaften Konkurrenten der Gebrüder Thonet, nach dem Auslaufen des Patents zum Massivbiegen, um 1870 einen fast formgleichen Nachbau des Thonet-Schaukelstuhls Nr. 1 anboten, entwickelte die Firma Thonet selbst immer neue Schaukelstühle: Im Katalog von 1885 wurden bereits 15 verschiedene Modelle angeboten, 1911 waren zehn Katalogseiten nur den Schaukelstühlen gewidmet. Text: Eva B. Ottillinger
Titel
Schaukel-Fauteuil Nr. 1
Designer
Entwurf
ca. 1860–1862
Herstellung
ca. 1870
Hersteller
Material / Technik
Buche, gebogen, gebeizt und poliert / Rohrgeflecht
Maße
109 x 60 x 112 cm
Inventarnummer
MBG-1015-1
Kategorie
Schlagwörter
Creditline
Vitra Design Museum
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