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B 301 / Fauteuil à dossier basculant
Le Corbusier, Pierre Jeanneret, Charlotte Perriand
Bevor Le Corbusier als Architekt international Erfolg hatte, verfolgte er auch eine Karriere als Inneneinrichter und Möbeldesigner. In Paris begann sich Le Corbusier ab 1920 mit der Genealogie von Gebrauchsgütern und der Idee ihrer formalen Läuterung durch Produktionsprozesse zu befassen. Für seinen eigenen Gebrauch definierte Le Corbusier eine Reihe von objets types in der Gestalt von anonymen Industriefabrikaten, die je für eine bestimmte Funktion stehen. Als die junge Innenarchitektin Charlotte Perriand gegen Ende 1927 ins Büro von Le Corbusier und Pierre Jeanneret eintrat, lagen dort Skizzen von schematisch angedeuteten Ausgangsmodellen für verschiedene Arten des Sitzens vor. Sie waren vermutlich als Programm für die Weiterentwicklung und die Umsetzung in eine zeitgemäße Formen- und Materialsprache gedacht.
Von den 1928/29 entworfenen, später berühmten Stahlrohrmöbeln lässt sich der hier gezeigte Fauteuil à dossier basculant am deutlichsten auf eines der von Le Corbusier geschätzten objets types beziehen, nämlich auf den Kolonialstuhl. Dessen formale Merkmale verbanden Le Corbusier, Perriand und Jeanneret für ihren Entwurf mit einer zeitgemäßen Konstruktions- und Formlogik. Das bei den ersten Exemplaren in einem Stück verschweißte Stahlrohrgestell war mit einer Sitzflächenkonstruktion aus z-förmigen Winkeln und einer Bespannung aus Drähten und Metallfedern ausgestattet, auf der ein Daunenkissen lag. Das Rückenkissen wurde über die beweglich montierte Rückenlehne gestülpt.
Für die öffentliche Präsentation der neuen Stahlrohrmöbelkollektion auf dem Pariser Salon d’automne im Jahr 1929 entstand neben dieser luxuriösen Version (exécution de luxe), ein einfacheres Modell (exécution de série), dessen aus verschiedenen Teilen zusammengesetzter Stahlrohrrahmen direkt mit kurzhaarigem Kalbsfell oder mit Leinwand bespannt war. Die Firma Thonet Frères finanzierte den rund neun mal zehn Meter großen Stand auf dem Salon d’automne – ein ganz aus Glas, Gips und Metall gefertigtes Einraumappartement – und erwarb damit die exklusiven Rechte an den neuen Modellen. Die Firma stellte ab 1930 insgesamt rund 350 Exemplare des B 301 mit Direktbespannung her (die hier gezeigte Version), aber nur eine kleine Zahl der gepolsterten Luxusversion.
1959 legte Heidi Weber in Zürich die ikonischen Sitzmöbel der Gestaltergruppe um Le Corbusier wieder auf – neben dem Fauteuil à dossier basculant auch die Chaise longue à position variable und zwei Versionen des Fauteuil grand confort. 1965 übertrug sie die Lizenz auf die italienische Firma Cassina, wo Perriand ab 1978 als Beraterin wirkte und nicht nur eine Programmerweiterung, sondern auch eine neue Farb- und Materialpalette initiierte.
Text: Arthur Rüegg
Titel
B 301 / Fauteuil à dossier basculant
Designer
Entwurf
1928/29
Herstellung
zwischen 1930 und ca. 1938 (exécution de série)
Hersteller
Material / Technik
Stahlrohr, verchromt (Gestell verschraubt) / Lederbespannung (vermutl. nachträglich erneuert) / Metallfedern / Gummifuß (Original) und Stahlgleiter (ersetzt)
Maße
64 x 64 x 66,6 cm
Inventarnummer
MST-1028
Kategorie
Schlagwörter
Creditline
Vitra Design Museum
Zugehörige Highlights (1)





