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Modell V, Nr. 8 / Bloemenwerf-Stuhl

Henry van de Velde
Henry van de Velde, der zu den wichtigsten Gestaltern des Jugendstils zählt, entwarf diesen Speisezimmer-Stuhl ursprünglich für sein erstes eigenes Wohnhaus Bloemenwerf, das bis 1896 nach seinen Plänen in Uccle bei Brüssel errichtet und ausgestattet wurde. Die Inneneinrichtung dafür bot ihm die Gelegenheit, ein „Gesamtkunstwerk“ zu gestalten. Die klare Linienführung der Konstruktion des Bloemenwerf-Stuhls verleiht dem Modell etwas Ingenieurhaftes, Architektonisches. Vor allem die kurzen, mit den Vorderbeinen verbundenen Streben unter der trapezförmigen Sitzfläche erinnern an Brücken- oder Dachkonstruktionen. Gleichzeitig nehmen die weichen Schwünge der sich fließend verjüngenden und erweiternden Vierkanthölzer und die abgerundete Kante der Sitzfläche zugleich biomorphe Züge an. Dank der auf das Wesentliche reduzierten Konstruktion entstand ein leichtes, dabei funktionales Sitzmöbel, mit dem van de Velde sein Credo „Eine Linie ist eine Kraft“ besonders anschaulich umsetzte. Van de Velde nahm das Bloemenwerf-Mobiliar später mit in seine Weimarer Wohnung, in deren Speisezimmer ein ganzes Dutzend der Stühle stand. Das Modell, einer der ersten Möbelentwürfe Henry van de Veldes überhaupt, wurde bis Anfang des 20. Jahrhunderts produziert, ausgestellt, in deutschen und französischen Fachpublikationen abgebildet und im Vergleich zu vielen seiner Möbelunikate in größerer Stückzahl produziert und verkauft. Text: Tilo Richter
Titel
Modell V, Nr. 8 / Bloemenwerf-Stuhl
Designer
Entwurf
1895
Herstellung
nach 1898
Hersteller
Material / Technik
Esche / Stoffbezug
Maße
92,6 x 47,3 x 46,3 cm
Inventarnummer
MBE-1002
Kategorie
Schlagwörter
Creditline
Vitra Design Museum