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Elastic Chair
Samuel Gragg
Der Bostoner Möbeltischler Samuel Gragg (1772–1855) setzte bei der Konstruktion des Elastic Chair das Biegen von Holz unter Einsatz von Wasserdampf bewusst und auf neuartige Weise ein – im Schiff- und Wagenbau hatte die Technik schon zu Graggs Zeiten Tradition.
Bei der Gestaltung des Stuhls, auf den er 1808 ein U. S. Patent erhielt, orientierte Gragg sich an dem damals modernen Typ des Seitenrahmenstuhls, der auf die antike griechische Stuhlform des Klismos zurückgeht. Das Neue bestand in der Konstruktion der geschwungenen Sitzschale aus gebogenen Massivholzelementen statt aus kurzen, mittels Zapfenverbindung zusammengefügten Holzstücken. Jedes zweite dieser Elemente endet nicht an der Rückseite des Sitzrahmens, sondern bildet jeweils eine der Streben der Rückenlehne. In der Patentschrift betonte Gragg, dass seine derart hergestellten Stühle aufgrund der Elastizität des verwendeten Materials und der dem menschlichen Körper entsprechenden Form von Sitzfläche und Rückenlehne besonders bequem sowie leicht und zugleich stabil seien.
Samuel Graggs Herstellungsverfahren war bei allen antikisierenden Rückgriffen – man beachte die Goldverzierungen sowie die geschnitzten „Geißfüße“ an den Enden der Vorderbeine – zukunftsweisend. Er nahm eine Technik vorweg, die Michael Thonet in Europa unabhängig von Gragg erst Jahrzehnte später entwickelte. Jedoch eroberten Bugholzmöbel erst mit der Einführung von Thonet-Produkten flächendeckend den amerikanischen Markt.
Text: Eva B. Ottillinger
Titel
Elastic Chair
Designer
Entwurf
ca. 1808
Herstellung
nach ca. 1808
Hersteller
Material / Technik
Esche und Hickory, gebogen und lackiert
Maße
86,8 x 47,2 x 58,5 cm
Inventarnummer
MBG-1021
Kategorie
Schlagwörter
Creditline
Vitra Design Museum
