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Nr. 6516 / Armlehnstuhl für die Österreichische Postsparkasse
Otto Wagner
Otto Wagner entwarf das Modell Nr. 6516 für die Einrichtung seines Ende 1906 fertiggestellten Postsparkassengebäudes in Wien. Für den monumentalen Nutzbau am Stubenring hatte er die neuesten technischen Möglichkeiten und Materialien eingesetzt, um ihn zum Repräsentanten einer neuen Ästhetik zu machen.
Formal basiert der Armlehnstuhl auf dem viel beachteten Fauteuil Gustav Siegels aus dem Jahr 1900, den Wagner bereits 1902 bei der Ausstattung des Depeschenbüros "Die Zeit" verwendet hatte. Minimale Veränderungen – etwa Querstreben an der Rückenlehne anstatt geschlossener Polsterung – lassen sein eigenes Modell jedoch noch leichter und eleganter erscheinen.
Der Armlehnstuhl wurde je nach Einsatzbereich unterschiedlich ausgeführt. Die einfachste Version hatte eine geflochtene Sitzfläche aus Rattan und kostete 18,50 Kronen; etwas teurer war jene mit perforiertem Holzsitz und Rindslederbezug. Im Direktionsbereich eingesetzt wurde die hier gezeigte Ausführung. Die edelste in mahagonifarben gebeiztem Holz mit Messingmanschetten und rotem Velours war für das Amtszimmer des Direktors bestimmt. Erstmals fanden hiermit die industriell gefertigten Bugholzmöbel Eingang in einen genuin konservativen, der Repräsentation verpflichteten Bereich.
Sein Komfort und seine Eleganz machten Wagners Fauteuil zu einem gefragten Einrichtungsgegenstand. Die Firma Thonet produzierte ihn in verschiedenen Varianten bis in die 1920er Jahre; damit veranschaulicht das Modell die Verbindungslinie zwischen Wiener Jugendstil und klassischer Moderne.
Text: Anne-Katrin Rossberg
Titel
Nr. 6516 / Armlehnstuhl für die Österreichische Postsparkasse
Designer
Entwurf
1905
Herstellung
zwischen 1905 und 1907 (Sonderproduktion)
Hersteller
Material / Technik
Buche, gebogen, grüngrau gebeizt / Aluminium / Veloursbezug, grün
Maße
79,5 x 56 x 55,5 cm
Inventarnummer
MBG-1050
Kategorie
Schlagwörter
Creditline
Vitra Design Museum


