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Nr. 4746 / Hocker für die Österreichische Postsparkasse

Otto Wagner
„Alle modernen Formen müssen dem neuen Material, den neuen Anforderungen unserer Zeit entsprechen, wenn sie zur modernen Menschheit passen sollen“, postulierte Otto Wagner 1896. Er kommt zu dem viel zitierten Schluss, dass „etwas Unpraktisches nie schön sein \[kann\]“, und beweist zehn Jahre später mit seinem Hocker für den Kassensaal der Österreichischen Postsparkasse in Wien den Umkehrschluss. Das Möbel setzt sich aus vier Bugholzrahmen zusammen, die einen Würfel ergeben; ein fünfter Rahmen trägt die Sitzfläche aus gelochtem Sperrholz, in deren Mitte eine rechteckige Handhabe ausgeschnitten ist. Die Schrauben werden von Kappen aus Aluminium verdeckt, die mit dem Dunkelbraun des Holzes kontrastieren. Die Konstruktion nutzt das Potenzial des Bugholzes: Wenige Elemente sind notwendig, um ein kostengünstiges Möbel herzustellen, das zudem leicht und praktikabel ist. Der Einsatz neuer Materialien spielte hier eine große Rolle, besonders von Aluminium, das im Innenraum wie auch an der Fassade der Österreichischen Postsparkasse Verwendung fand. Am konsequentesten ist es aber am Hocker eingesetzt – die Aluminium-Kappen markieren tatsächlich die Verbindungspunkte; bei den Schreibtischen der Großraumbüros hingegen sind sie zusätzlich auch reines Dekor. In seiner gestalterischen Konsequenz stellt der Hocker eine radikale Lösung dar, die letztlich in die Stahlrohr-Entwürfe der Zwischenkriegszeit mündete. Seiner Zeit war er eindeutig voraus und fand dadurch nur wenig Beachtung: Der Hocker wurde zwar bis 1911 angeboten, kam aber nicht mehr zu größerem Einsatz. Text: Anne-Katrin Rossberg
Titel
Nr. 4746 / Hocker für die Österreichische Postsparkasse
Designer
Entwurf
1905/06
Herstellung
zwischen 1906 und 1911
Hersteller
Material / Technik
Buche, gebogen, braun gebeizt / Sperrholz, braun gebeizt / Aluminiumbeschläge
Maße
47,2 x 41,5 x 41,5 cm
Inventarnummer
MBG-1046
Kategorie
Schlagwörter
Creditline
Vitra Design Museum