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Nr. 371 / Siebenkugel-Stuhl
Josef Hoffmann
Den extravaganten Stuhl Nr. 371 präsentierte Josef Hoffmann erstmals in seinem Kleinen Landhaus, das er 1908 im Rahmen der Wiener Kunstschau gestaltete und mit dem er versuchte, die Gesamtkunstwerk-Idee allgemein verfügbar und leistbar zu machen. Daher verwendete er industriell gefertigte Möbel, mehrheitlich Bugholzmöbel, viele davon seine eigenen Entwürfe. Die Sitzgruppen in der Loggia des Musterhauses bestanden aus Bänken und Stühlen der Modell-Nr. 371.
Der Stuhl, auch bekannt als Siebenkugel-Stuhl, ist eine Weiterführung von Hoffmanns Purkersdorfer Modell aus dem Jahr 1904. Mit der Gestaltung der Rückenlehne reizte er die Möglichkeiten des Bugholzes aus und fand eine so formschöne wie anspielungsreiche Lösung: Indem die sieben Kugeln eine Art Wirbelsäule bilden, so wie die zwei Bögen Schultern formen, wird hier der Begriff „Rückenlehne“ sehr wörtlich genommen. Der Rücken, der sich dagegen lehnt, hat es dadurch nicht unbedingt bequemer; der englische Sattelsitz hingegen gewährleistet ein gutes Sitzgefühl.
Hoffmanns äußerst reduzierte, skulpturale Lösung macht das Gebrauchsmöbel zum Kunstobjekt. Damit illustriert sie beispielhaft die Intention des Architekten einer künstlerischen Durchdringung des Alltags. Zugleich ist der Stuhl typisch für den wienerischen Stil, der sich durch spielerische, doppeldeutige Elemente auszeichnet. Solche Eigenschaften machten die Gestaltungen eines Hoffmann oder auch Koloman Moser Jahrzehnte später für die Postmoderne interessant.
Text: Anne-Katrin Rossberg
Titel
Nr. 371 / Siebenkugel-Stuhl
Designer
Entwurf
1907/08
Herstellung
zwischen 1908 und 1910
Hersteller
Material / Technik
Buche, gebogen und gedrechselt, braun gebeizt / Sperrholz, braun gebeizt
Maße
109 x 44 x 48,4 cm
Inventarnummer
MBG-1017
Kategorie
Schlagwörter
Creditline
Vitra Design Museum


