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ohne Titel / Dreibeiniger Schalenstuhl

Hans J. Wegner
Hans J. Wegners Weltruhm gründet auf seiner Fähigkeit, dem traditionellen Tischlerhandwerk einen modernen, funktionalen Ausdruck zu verleihen. Doch er experimentierte auch mit modernen Techniken wie der Verformung von Schichtholz. Die Entwürfe eines niedrigen Stuhls und eines Sofas aus Schichtholzschalen aus dem Jahr 1948, die bei Fritz Hansen in Produktion gingen, können als Vorläufer des Dreibeinigen Schalenstuhls gelten. Ab 1949 waren Hansen und Wegner jedoch zu sehr damit beschäftigt, der internationalen Nachfrage nach modernen skandinavischen Tischlermöbeln nachzukommen, um die Experimente mit Sperrholz fortzuführen. Erst 1963 griff Wegner das Thema Schalenstuhl wieder auf und erprobte mehrere Untergestelle an Modellen im Maßstab 1 : 5. Diese hatten einen Hohlraum zwischen den Holzschichten in den nach oben gezogenen Biegungen, was die Stabilität der Konstruktion sicherstellte und ihr ein dekoratives Element hinzufügte. Ebenso verliehen die schräg gestellten Stuhlbeine nicht nur Stabilität sondern auch eine grafische Kontur: Von vorne betrachtet wirkt die Geometrie des Stuhls, als würden die Beine wie Speichen von der Sitzfläche abstehen. Wie ein Thron setzt die Form des Stuhls die auf ihm sitzende Person in Szene, auch wenn die breite, niedrige Sitzfläche keine spezielle Sitzposition vorgibt. Die hochgezogenen Kanten erzeugen eine leichte, beinahe schwebende Anmutung, die an eine Skulptur von Alexander Calder oder an ein Insekt kurz vor dem Abflug erinnert und den Stuhl dem radikal modernen Design zuordnet. Text: Christian Holmsted Olesen
Titel
ohne Titel / Dreibeiniger Schalenstuhl
Designer
Entwurf
1963
Herstellung
zwischen ca. 1963 und 1965
Hersteller
Material / Technik
Formsperrholz, farbig lackiert / Formschichtholz, farbig lackiert
Maße
72,5 x 90,0 x 82,5 cm
Inventarnummer
MSK-1008
Kategorie
Schlagwörter
Creditline
Vitra Design Museum